
Im Rahmen der Buchveröffentlichung von „Eres Libre así que VUELA!“, geschrieben von Liz Soto Rivas, Gründerin der Community Latinas en Alemania, versammelte die Veranstaltung Mitglieder der spanischsprachigen Community in der deutschen Hauptstadt zu einem offenen Gespräch über Migration, berufliche Neuausrichtung und gemeinschaftliche Unterstützung.
Das Panel wurde von Antonella Alcoba, Gründerin von Marketers in Berlin, moderiert und hatte Pedro Duarte, Journalist und Gründer von La Vida de Nosotros, Fernanda Bosmediano, Unternehmerin in der Technologie- und Luft- und Raumfahrtindustrie, sowie Alejandra Olarte, Gründerin von Soy Ale Olarte, Bienestar Femenino, als Teilnehmer*innen.
Anhand ihrer persönlichen Erfahrungen teilten die Panelist*innen Geschichten über kulturelle Anpassung, emotionale Herausforderungen der Migration und die Suche nach Sinn und Zweck in Deutschland.
Die emotionale Herausforderung der Migration
Pedro Duarte eröffnete den Dialog mit einem der größten Migrationshindernisse: der Sprachbarriere. Mit einem grundlegenden Deutschlevel musste er mehrere Jahre außerhalb seines Berufsfeldes als Kommunikator arbeiten, was zu einem Gefühl der persönlichen Entfremdung führte.
Die Pandemie markierte einen Wendepunkt, als er den Podcast La Vida de Nosotros ins Leben rief und seine Identität als Journalist wiederentdeckte. „Viele von uns vergessen, was sie können, wenn sie ankommen. Aber wir bringen Erfahrung, Talent und eine Geschichte mit, die zählt.“
Fernanda Bosmediano berichtete von ihrer kulturellen Anpassung aus einer anderen Perspektive: die lateinamerikanische Herzlichkeit, zunächst als Unterschied wahrgenommen, entwickelte sich zu einem Vorteil im Berufsleben, besonders im Vertrieb. „Was wie ein Nachteil schien, wurde zu meiner größten Fähigkeit: Menschen zu verbinden.“
Ihr Weg beinhaltete das Überwinden persönlicher Unsicherheiten und geschlechtsspezifischer Dynamiken in männerdominierten Branchen, bis sie sich dank messbarer Ergebnisse beruflich etablieren konnte.

Ale Olarte teilte eine der bewegendsten Geschichten des Panels. Sie kam als Asylbewerberin nach Deutschland, ohne die Sprache zu beherrschen und in Begleitung ihres Kindes. In ihren ersten Monaten lebte sie in einem Camp und stand extremen Situationen gegenüber, wie der Unfähigkeit, medizinische Hilfe für ihren erkrankten Vater zu organisieren. „Da habe ich wirklich gespürt, dass ich mein Land verlassen hatte.“
Diese Erfahrung motivierte sie, Deutsch zu lernen und Autonomie zu gewinnen. Nach diskriminierenden Erlebnissen im Arbeitsumfeld gründete sie Soy Ale Olarte – Bienestar Femenino, ein Projekt, das Selbstfürsorge, Selbstwertgefühl und emotionale Unterstützung für migrantische Frauen fördert.
Die Gemeinschaft als Stütznetz
Ein zentrales Thema des Panels war die Rolle der Community als Ort der Fürsorge, Unterstützung und kollektiven Entwicklung. Die Teilnehmer*innen waren sich einig, dass der Aufbau migrantischer Netzwerke entscheidend ist, um kulturelle und emotionale Anpassungsprozesse zu meistern.
Ale betonte die Bedeutung der Teilnahme an Gruppen lateinamerikanischer Frauen in Deutschland, um Isolation zu vermeiden und Empathie untereinander zu stärken: „Wir alle haben unterschiedliche Prozesse, und es ist wichtig, sie zu respektieren und zu begleiten, ohne zu konkurrieren, wer es schwerer hatte.“
Fernanda hob den Wert professioneller Vorbilder hervor und die Möglichkeit, Chancen selbst zu schaffen, wenn sie nicht von allein kommen: „Wenn dir niemand die Tür öffnet, kannst du dir auch deinen eigenen Raum schaffen.“
Pedro verglich die spanischsprachige Migrant*innen-Community mit einem „Dorf, das fern der Heimat entsteht“ und betonte die Notwendigkeit von Empathie, Zusammenarbeit und gegenseitiger Fürsorge.
Tipps für Neuankömmlinge
Zum Abschluss fassten die Teilnehmer*innen ihre Erfahrungen in einem Wort zusammen und gaben Empfehlungen für diejenigen, die ihre ersten Schritte in Deutschland machen:
- Ale – „Erlauben“: Den Prozess zulassen – weinen, ruhen, heilen –, um dann mit Entschlossenheit wieder aufzustehen.
- Fernanda – „Träumen“: Klare Träume bewahren und die vielfältigen Möglichkeiten für Networking, Weiterbildung und Unternehmertum in Berlin nutzen.
- Pedro – „Resilienz“: Durchhalten angesichts von Herausforderungen, besonders beim Spracherwerb (mindestens B2) und Vertrauen in das eigene Talent.
Die Veranstaltung endete mit einem Publikumsdialog über die Rolle sozialer Medien als Instrumente für Integration, Sichtbarmachung beruflicher Chancen und Stärkung der Community.
Über das Buch und die Autorin

Foto: Eliécer Angarita / Mi Guía Hispania
„Eres Libre así que VUELA!“ von Liz Soto Rivas beschreibt die Migrationserfahrung aus der Perspektive von Identität, Emotionen und Gemeinschaftsbildung. Basierend auf ihren eigenen Erlebnissen zweier Migrationen – zunächst in die USA und später nach Deutschland – beleuchtet die Autorin sowohl die praktischen Aspekte der Ankunft in einem neuen Land als auch die emotionalen Belastungen, die oft „im Koffer mitreisen“: Ängste, Abschiede, Erwartungen und Anpassungsprozesse.
Der Text bietet eine nahbare, gesprächige Lektüre, begleitet von Reflexionsübungen und nützlichen Ressourcen für Menschen, die gerade erst migriert sind oder schon länger auf diesem Weg sind. Er lädt dazu ein, die eigene Stärke wiederzuentdecken und die transformative Kraft der Gemeinschaft zu erkennen.


Liz Soto Rivas ist eine mexikanische Kommunikatorin und Kreative aus Durango, die seit 2014 in Berlin lebt. Dort gründete sie die Community Latinas en Alemania, die heute mehr als 25.000 Frauen vereint. Sie studierte Kommunikationswissenschaften an der Universidad de las Américas Puebla, Fotografie in Boston und absolvierte einen Executive Master in Community Management an der Universität Alicante.
Liz verbindet ihre Arbeit in Video, Fotografie und digitalem Marketing mit ihrem Engagement als Feministin und Aktivistin. Derzeit arbeitet sie für die NGO Avaaz als Audience Engagement Specialist und veröffentlichte ihr erstes Buch „Eres libre así que, ¡VUELA!“. Ihre Mission ist es, migrierte Frauen durch Kunst, Kommunikation und den Aufbau von Unterstützungsnetzwerken zu stärken und ihre persönliche sowie berufliche Entwicklung zu fördern.
Weitere Informationen findest du auf der Website:
https://www.latinasenalemania.com/category/editorial